Yogakurse speziell für dick_fette Menschen – brauchen wir die wirklich?

Gastbeitrag für „Yoga ist politisch“ von Jasmin Brands

Ich bin Jasmin, eine hochgewichtige Yogalehrerin und sage: Ja! Wir brauchen fatfriendly Yogaklassen!

Denn obwohl man sie dort nicht vermuten würde, macht Ausgrenzung und Fatshaming auch vor der Yoga-Community keinen Halt. Wir alle leben in einer Gesellschaft geprägt von Diät-Mentalität, in der die Be- und Verurteilung von Körpern selbstverständlich ist. Dadurch gleicht der Alltag von Mehrgewichtigen häufig einem Spießrutenlauf. Es findet sich immer jemand, der einen verächtlichen Blick oder einen vielleicht sogar gut gemeinten, aber dennoch übergriffigen Optimierungsratschlag
parat hat. Leider auch im Yogaunterricht…

Konkrete Handlungsschritte

In meinen Rubens.Yoga-Kursen für füllige Frauen ist mir besonders wichtig, dass die Plussize-Yoginis in den Genuss der zahlreichen positiven Effekten von Yoga und (wieder) in Kontakt mit sich und ihrem Körper kommen. Dazu achte ich im Unterricht vor allem auf folgende Aspekte:

  • Anatomie & Zeiten: Wichtig ist, auf die physiologisch korrekte Ausführung der Asanas/Asana- Varianten zu achten und die Haltezeiten so zu wählen, dass Gelenke und Strukturen gekräftigt bzw. gedehnt, aber nicht überlastet werden.
  • Asana-Abfolge: Bei der Planung der Yoga-Sequenz sollten mögliche Überbelastungen bedacht werden. Ich verzichte z.B. darauf mehrere Haltungen im Vierfüßlerstand unmittelbar hintereinander durchführen, damit die Belastung der Knie und Handgelenke nicht zu hoch wird. Mobilisierende Zwischenübungen schaffen zusätzliche Entlastung.
  • Asana-Varianten: Die meisten dick_fetten Menschen haben in ihrem Alltag das Gefühl nicht in die Norm zu passen. Mir ist sehr wichtig, immer wieder deutlich zu machen, dass sich Yoga an die Menschen anpasst und nicht umgekehrt. Ich zeige deshalb im Unterricht immer mehrere Variante einer Asana. So können die Teilnehmenden frei wählen.
  • Props: Der Einsatz von Hilfsmitteln sollte selbstverständlich sein und nicht das Gefühl vermitteln, es anders nicht hinzubekommen. Kniepads, Kork-Keile usw. erleichtern die Yoga-Praxis enorm.
  • Sprache: Eine wertschätzende und positive Führung durch die Yogastunde macht einen großen Unterschied. Schnell rutscht mal eine Formulierung raus wie: „Wenn das zu schwer für Dich ist … „. Besser wäre: „Wähle die Variante, die sich für Dich heute stimmig anfühlt.“

Wir brauchen mehr Safe Spaces!

Am bedeutendsten für die meisten mehrgewichtigen Yogi:nis ist aber wohl der geschützte Raum, in dem wir unter uns sind! Niemand, der komisch guckt, tuschelt, sich abwertend äußert. Es ist schön, dass das Angebot in diesem Bereich stetig wächst. Gleichzeitig stimmt mich die hohe Nachfrage aber auch immer wieder nachdenklich. Für die Zukunft wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der ALLE Menschen respektiert und integriert werden, so dass spezielle Safe Spaces gar nicht mehr nötig sind.


Foto von SHVETS production von Pexels

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