Die Yamas und Niyamas

Unsere Interpretation der Yamas und Niyamas ist entscheidend dafür, dass wir Yoga als politisch relevant und politische Praxis betrachten. In diesem Artikel stellen wir die ethischen Grundsätze des Yoga kurz vor und interpretieren die aus den Yogasutras von Patanjali stammenden Prinzipien. Dies ist eine Voraussetzung, dass du unser Manifest verstehen kannst.

Yamas – der Umgang mit der Umgebung

1. Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Gewaltlosigkeit nimmt an, dass jedes Leben wertvoll ist – egal, ob menschlich, tierisch oder pflanzlich. Dafür müssen wir uns aktiv einsetzen. Wir müssen jedoch nicht nur für andere einstehen, dass ihnen keine psychische und physische Gewalt zugefügt wird. Sondern wir müssen als Konsequenz daran auch besonders uns selbst mit Wertschätzung behandeln und beispielsweise auch unseren inneren Dialog und unseren Umgang mit uns selbst einen Akt von Ahimsa werden lassen.

2. Satya – Wahrhaftigkeit

Der Forderung nach Wahrhaftigkeit liegt wieder zugrunde, dass wir uns selbst und damit auch andere und den zeitlosen Kern, der uns zugrunde liegt, wertschätzen. Dann zählt nicht eine Wahrheit mehr als andere, sondern wir können in einen Austausch über unsere Ideen auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt kommen. Wir sind nach dem Prinzip von Satya aber auch verpflichtet, zu sprechen, wenn wir Gewalt oder Ungerechtigkeit wahrnehmen. Satya baut also auf Ahimsa auf.

3. Asteya – Nicht-Stehlen

Die Voraussetzung für Nicht-Stehlen ist die Anerkennung des eigenen Wertes. Die Annahme: wenn ich an mir selbst arbeite und mich so aus mir selbst wertvoll fühle, dann neide ich anderen gar nicht erst ihr Leben und stehle ihnen auch nichts. Im Endeffekt ruft uns Asteya auch dazu auf, uns mehr mit inneren Dingen, als mit der materiellen Welt zu identifizieren und zu beschäftigen.

4. Brahmacharya – Nachhaltigkeit

Es geht bei Brahmacharya darum, seinen Alltag und seine Taten in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Für etwas Größeres zu leben. Auch wenn wir im Hier und Jetzt leben wollen, die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit in den Fokus zu stellen. Das bedeutet, die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. So viel zu essen, zu trinken, zu konsumieren, wie wir brauchen, aber nicht mehr. Wir interpretieren Brahmacharya nicht als Enthaltsamkeit im sexuellen Sinne, denn wir sind dafür, dass jede Person so viel oder wenig Sex haben kann, wie sie und sexuelle Partner*innen möchten (Stichwort: Konsens!). In der Vergangenheit wurde aber von Personen erwartet, dass sie ihre Jungfräulichkeit der Ehe als übergeordnetem Sinn unterwerfen. Daher kommt die Übersetzung als „Nachhaltigkeit“.

5. Aparigraha – Bescheidenheit

Passend zu den anderen Prinzipien des Maßhaltens und des Verhaltens und Nicht-Stehlen ist die Bescheidenheit ebenfalls Grundlage von yogischem Verhalten und mit den bereits genannten Yamas eng verknüpft. Bescheidenheit hält uns dazu an, anderen gegenüber nicht zu prahlen. Aber Komplimente sollten auch angenommen werden, um Selbstannahme und -liebe zu praktizieren.

Niyamas – der Umgang mit sich selbst

6. Saucha – Reinheit

Wenn man die Umwelt nicht mit Überfluss, sondern mit Achtsamkeit behandelt, dann auch sich selbst! Das besagt Saucha, die Reinheit. Das bedeutet Körperpflege und Sauberkeit des Wohnbereichs. Aber es ist auch ok, wenn wir eben nicht immer Reinheit in allen Aspekten zu verwirklichen schaffen. Meiner Meinung nach sollte man das Prinzip der Reinheit eher so interpretieren, dass der Konsum und besonders die Dinge, die dem Körper zugeführt werden, mit bedacht gewählt werden.

7. Santosha – Zufriedenheit

Das Prinzip der Zufriedenheit besagt, dass jede Person in jeder Situation innere Ruhe finden kann. Sie wird durch spirituelle Praxis geschult, aber sorgt auch für das zur Ruhe kommen der Gedanken bei Meditation. Eine generelle Zufriedenheit, die man nur in sich selbst kultivieren kann, ist zudem grundlegende Voraussetzung für bescheidenes Verhalten.

8. Tapas – Bemühen

Die Yogaphilosophie spricht von einer starken Disziplin, wenn es an die spirituelle Praxis geht. Das heißt aber unserer Meinung nach nicht, dass es nur einen strikten Weg gibt. Yoga kann für dich jeden Tag anders aussehen – eben auf UND abseits der Matte praktiziert werden. Auch Abspülen oder Putzen kann zur spirituellen Disziplin genutzt werden.

9. Svadhyaya – Selbstreflexion

Der Kern von Yoga ist Selbstreflexion. Selbstreflexion ist sowohl der Anfang als auch fast der Ende der Reise durch die Yamas und Niyamas – denn auch Ahimsa beginnt bei Reflexion. Die Bereitschaft, über sich selbst hinaus zu wachsen, auch wenn das bedeutet, dass es unangenehm werden kann. Auch wenn wir bei der Prüfung unseres jetzigen Lebens eben feststellen, dass sich etwas fundamental ändern muss. Durch Yoga haben wir sowohl Tools wie Atmung oder Asana, um Selbstreflexion zu betreiben, als auch Werkzeuge, die uns wieder in unsere Mitte bringen, wenn das sich selbst hinterfragen zu schmerzhaft wird.

10. Ishvara Pranidana – Hingabe an etwas Höheres

Für uns bedeutet diese Hingabe nicht, dass wir vom Boden der Tatsachen in höhere Gefilde hinweg schweben. Wäre man in der Yogaphilosophie vollkommen erleuchtet, würde man sogar gar nicht mehr leben. Als Menschen in diesem vergänglichen Körper können wir also immer nur unser Bestes geben, uns etwas Höherem hinzugeben. Was dieses Höhere für dich sein könnte, das musst du selbst rausfinden. Vielleicht handelt es sich bei dir wie auch bei uns um soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.


Quellen: Die Yoga-Sutras von Patanjali

https://www.yogaeasy.de/artikel/der-achtgliedrige-yogapfad-die-yamas

Foto von Yan Krukov von Pexels

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